Temperatur im Weinkeller: Anleitung für ideale Bedingungen

In diesem Beitrag lernst du alles, was du über Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Weinkeller wissen musst. Kurzum: Du verstehst, wie die perfekten Bedingungen für eine erfolgreiche Weinlagerung aussehen.

Ich selbst verwalte seit fast 10 Jahren einen privaten Weinkeller mit über 150 Flaschen, obwohl ich laut allgemeiner Einschätzung NICHT DIE OPTIMALEN Voraussetzungen habe.

Darum gebe ich zum Abschluss konkrete Tipps, wie du auch bei suboptimalen Klima deinen Wein erfolgreich über viele Jahre lagern kannst.

Legen wir direkt los:

Das Wichtigste auf einen Blick (Faustregeln)

Um Wein über mehrere Jahre in einem Weinkeller zu lagern, sollte dieser eine möglichst niedrige, aber konstante Temperatur von 10-14 °C haben. Außerdem ist eine hohe Luftfeuchtigkeit von 55 bis 75 % wichtig. Zudem sollte der Wein in einem dunklen Raum ohne starke Fremdgerüche lagern.

Zusammengefasst:

  • Temperatur: 10-14 °C, ohne große Schwankungen
  • Luftfeuchtigkeit: 55-75 %
  • Dunkler Raum, kein Tageslicht
  • Keine Fremdgerüche wie z.B. Öl oder Waschpulver

Warum ist das Klima im Weinkeller wichtig?

Weinflaschen sind niemals perfekt abgedichtet oder vor äußeren Einflüssen geschützt. Das ist auch gut so, denn sonst könnte der Wein nicht reifen. Geschmack, Geruch, Aroma und allgemeine Qualität würde sich bei einer Lagerung nicht verbessern.

Genau aus diesem Grund ist das richtige Klima bei der Lagerung im Weinkeller wichtig. Wir als Weinliebhaber haben es in der Hand, wie sich die Qualität unserer Flaschen entwickeln wird.

Wie die unterschiedlichen klimatischen Gegebenheiten auf die Entwicklung des Weins Einfluss nehmen, stelle ich im folgenden vor:

Temperatur im Weinkeller

Sowohl Rot- als auch Weißweine fühlen sich bei Umgebungstemperaturen von 10-14 °C am wohlsten. Dieser Wert gilt für die langfristige Lagerung über mehrere Jahre (z.B. in einem Weinkeller oder Weinklimaschrank). Nicht zu verwechseln mit der richtigen Trinktemperatur!

Faustregel: Wenn die Temperatur im eigenen Weinkeller in kalten Zeiten nicht unter 5 °C fällt und im Sommer 20 °C nicht übersteigt, hat man schon sehr gute Lagerbedingungen.

Was passiert, wenn der Weinkeller zu warm oder zu kalt ist?

Weinflaschen sollten aus gutem Grund nicht im Wohnzimmer, der Küche oder anderen Wohnräumen gelagert werden. Meist ist die Temperatur in diesen Räumen zu hoch und die Luft “zu trocken”.

Ist die Umgebungstemperatur zu hoch, führt das zu einer Verflüchtigung der im Wein gebundenen Kohlensäure und Aromastoffe. Dadurch beschleunigt sich der Reifeprozess des Weines.

Wenn gleichzeitig auch der Sauerstoffanteil in der Flasche zunimmt (z.B. weil der Korken zu trocken wird und zusätzlicher Sauerstoff in die Flasche gelangt), bekommt der Wein eine “oxidative Note”. Diese schmälert den Trinkgenuss und verringert die Qualität des Weines.

Auf der anderen Seite fördert eine zu kalte Umgebung das Ausfallen der Weinsäure. Die für den Geschmack wichtige Säure setzt sich dann in Form kleiner Kristalle am Boden der Flasche ab.

Lagertemperatur Rotwein: So lagert Rotwein richtig

Möchte man sich primär auf die Lagerung von Rotweinen fokussieren, dann sollte der eigene Weinkeller eine Temperatur von 14-18 °C haben. Je nach Rebsorte können diese Werte leicht schwanken. Darum hier eine tabellarische Übersicht:

RebsorteTemperatur
Carbernet Sauvignon17 °C
Burgunder17 °C
Côt (Malbec)17 °C
Barbaresco, Barbera, Barolo, Brunello17 °C
Syrah (Shiraz)18 °C
Primitivo18 °C
Merlot16 °C
Carménère18 °C
Vintage Portwein19 °C
Chianti16 °C
Spätburgunder (Pinot Noir)16 °C
Rioja16 °C
Tempranillo17 °C
Sangiovese17 °C
Grenache16 °C

Lagertemperatur Weißwein: Richtige Lagerung für Weißweine

Weißweine bevorzugen meist eine kühlere Lagerung als ihre roten Kollegen. Eine Temperatur von 9-12 °C ist ideal. Auch hier gibt es Unterschiede zwischen den Rebsorten:

RebsorteTemperatur
Riesling8 ˚C
Grüner Veltliner8 ˚C
Grauer Burgunder (Pinot gris)8 ˚C
Weißer Burgunder (Pinot Blanc)8 ˚C
Gewürztraminer10 ˚C
Silvaner9 ˚C
Scheurebe8 ˚C
Rivaner (Müller-Thurgau)9 ˚C
Chardonnay10 ˚C
Sauvignon Blanc9 ˚C
Airén9 ˚C
Trebbiano9 ˚C

Konstante Temperatur: Starke Schwankungen vermeiden

Neben der richtigen Temperatur im Weinlager sollte man vor allem auf starke Temperaturschwankungen achten. Selbst wenn Weinflaschen den Großteil des Jahres unter optimalen Bedingungen lagern, kann eine kurze, aber starke Schwankung (ob nach unten oder oben) die Qualität des Weines beeinflussen.

Natürlich ist der Weinkeller im Sommer etwas wärmer und im Winter etwas kälter. Diese saisonalen Wechsel sollten aber, ähnlich den Jahreszeiten, langsam vollzogen werden. Ein Hitze- oder Kälteschock sollte unbedingt vermieden werden.

Deswegen kann es sinnvoll sein, die Wände und/oder Böden des Weinkellers mit Wärmedämmung zu isolieren. Wenn es Fenster und Türen gibt, bietet sich auch hier eine gute Dämmung oder Doppelverglasung an. So ist es leichter die Temperatur konstant zu halten.

Bei einem “richtigen” Kellerraum unterhalb der Erde, ist meistens eine natürliche Dämmung durch Lehmböden, Naturerde, Backsteine oder Kellergewölbe gegeben. Hier machen sich saisonale Schwankungen nicht so stark bemerkbar. Das ist unter anderem der Grund, warum viele Weingüter und Produzenten seit hunderten von Jahren auf diese Art der Lagerung zurückgreifen.

Luftfeuchtigkeit im Weinkeller

Die Luftfeuchtigkeit im Weinkeller ist neben der Temperatur, der zweite wichtige Faktor bei der Lagerung von Wein.

Eine relative Luftfeuchtigkeit von 65 % wird allgemein als optimal angesehen. Wobei Abweichungen zwischen 50 % und 75 % immer noch vollkommen akzeptabel sind.

Generell kann man sagen, dass die Luftfeuchtigkeit in einem Altbaukeller meistens kein Problem darstellt. Sie befindet sich oft irgendwo zwischen unseren Richtwerten.

Schwieriger wird es bei Neubauten. Das Fundament und die Wände besehen meistens aus Beton, ein Werkstoff der viel Feuchtigkeit entzieht. Hier sollte man mit einem Luftbefeuchter* gegensteuern.

Was passiert bei zu feuchter Luft im Weinkeller?

Wenn die Luftfeuchtigkeit bei mehr als 70 % liegt, kann es zu Schimmelbildung kommen. Besonders, wenn der Kellerraum nicht ausreichend belüftet wird. Und das ist in einem klassischen Keller selten der Fall.

Außerdem löst sich der Kleber der Etiketten bei zu hoher Feuchtigkeit ab. Da kann es nach mehreren Jahren der Lagerung passieren, dass manche Flaschen “nackt” sind und man nicht mehr erkennen kann, welcher Wein in welcher Flasche ist.

Eine zu feuchte Luft macht dem Wein selber aber nichts aus. Es wurden schon Weinflaschen aus dem Meer geborgen, deren Inhalt perfekt genießbar war.

Und wenn der Weinkeller zu trocken ist?

Ist die Luft hingegen zu trocken und hat eine relative Luftfeuchtigkeit von weniger als 50 %, beginnen die Korken auszutrocknen. Sie werden dann porös und ziehen sich zusammen. So kann mit der Zeit Luft eintreten und der Inhalt der Flasche verdunsten.

Zudem beschleunigt der zusätzliche Sauerstoff in der Flasche die Reifung des Weins. So oder so, der Wein baut ab und verliert an Qualität.

Aus diesem Grund ist eine Lagerung in Wohnräumen nicht optimal. Denn für Räume in denen Menschen leben, liegt die optimale Temperatur bei 20-23 Grad und die empfohlene Luftfeuchtigkeit bei 40 % bis 60 %.

Wie wird die Luftfeuchtigkeit im Weinkeller gemessen?

Die Luftfeuchtigkeit kann mithilfe eines Hygrometers gemessen werden. Das sind kleine, meist digitale Messgeräte die man z.B. an der Wand befestigen kann.

Die meisten dieser Geräte zeigen auf ihrem Display nicht nur die relative Luftfeuchtigkeit, sondern auch die aktuelle Temperatur und Uhrzeit an. Das macht ein Hygrometer* zu einem der nützlichsten Tools in einem Weinkeller.

Die meisten Hygrometer* kann man online schon für weniger als 15 € kaufen. Ich habe schon verschiedene Varianten aus allen Preisklassen getestet. Dabei haben mir alle gute Dienste erwiesen.

Lichtverhältnisse im Weinkeller

Dieser Aspekt der Weinlagerung ist schnell erklärt. Kurzum: Weinflaschen immer dunkel lagern.

Die UV-Strahlen von natürlichem Licht können den Reifeprozess im Wein stark beschleunigen. Aus diesem Grund verwenden Winzer bei ihren Rotweinflaschen ein dunkles Grün, Braun oder Schwarz. Durch die dunklere Farbe des Glases gelangt weniger Licht in die Flasche.

Künstliches Licht von LEDs oder Glühbirnen schaden dem Wein hingegen nicht. Höchstens die Etiketten können bei einer Dauerbeleuchtung irgendwann verbleichen und ihre Farbe verlieren. Aber wer lässt schon permanent das Licht an?

Aroma und Gerüche im Weinkeller

Tatsächlich können Geruchsstoffe über den Korken in die Weinflasche gelangen. Darum sollte man vermeiden, den edlen Tropfen z.B. in der Garage zusammen mit Fahrzeugen, Öl oder Reifen zu lagern. Auch Waschmittel oder andere Chemikalien können ihren Geruch auf den Wein übertragen.

Bei einer kurzfristigen Lagerung von weniger als 3 Jahren wird man den Unterschied kaum bemerken. Aber möchte ich einen Wein über 15 oder 20 Jahre entwickeln, sollte ich auf die unterschiedlichen Aromen im Weinkeller achten und entsprechend vorbeugen.

Möglichkeiten bei schlechten Bedingungen im Weinkeller

Für den Fall, dass nicht alle der genannten Punkte in den eigenen vier Wänden umsetzbar sind, gibt es allerhand Hilfsmittel um die verschiedenen klimatischen Bedingungen zu verändern.

Dinge, die man als Privatperson im eigenen Weinkeller umsetzen kann:

Klimagerät oder Anlage installieren

Möchte man die Temperatur besser regulieren, bietet sich die Installation einer Klimaanlage oder das Aufstellen eines Klimageräts an.

Auf der einen Seite kann man die Temperatur in zu kalten Weinkellern (oder im Winter) durch eine Heizung anheben. Aber in der Regel ist es umgekehrt: Der Weinkeller ist zu warm (besonders im Sommer) und die Temperatur soll verringert werden. Da bietet sich ein Kühlgerät an.

Je nach Größe des Raumes muss natürlich eine passende Lösung gewählt werden. So kann für einen relativ kleinen Weinkeller mit maximal 25 Quadratmeter schon ein frei stehendes Gerät ausreichen. Diese gibt es online für ca. 300 €* und man spart sich eine professionelle Installation.

Bei größeren Räumen wird man um eine Lösung durch einen Klimaexperten nicht herumkommen. Damit habe ich bislang aber keine Erfahrung. Falls du einen Klimaprofi empfehlen kannst, schreibe gerne einen Kommentar und berichte von deinen Erfahrungen.

Luftbefeuchter/Entfeuchter aufstellen

Ist die Luft zu feucht oder zu trocken, eignet sich ein Luftbe- oder Entfeuchter. Die Funktionsweise dieser Geräte ist denkbar simpel und wohl die einfachste Möglichkeit, für eine höhere Luftfeuchtigkeit zu sorgen.

Entsprechende Geräte kann man online ab 70 € kaufen.

Weinkühlschrank verwenden

Möchte man keinen eigenen Weinkeller anlegen und seine Weine nur für wenige Monate fachgerecht lagern, bietet sich die Verwendung eines Weinkühlschranks an.

Wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigt, dem kann ich den umfangreichen Test von wirecutter ans Herz legen. Andere Testberichte sind meiner Meinung nach nicht seriös.

Wein im Garten lagern

Tatsächlich kann man Wein im Garten lagern. In meinem umfassenden Beitrag zur Weinlagerung im Garten gehe ich auf die verschiedenen Aspekte ein. Wer also im Haus oder Keller keinen geeigneten Platz findet, kann seine Kollektion auch im eigenen Garten aufbauen.

Keine Panik, alles halb so schlimm

Zuletzt kein richtiger Tipp, aber eine kleine Aufmunterung. Selbst wenn man jetzt festgestellt hat das die eigenen Bedingungen nicht optimal für den Aufbau eines Weinkellers sind: Es gibt noch Hoffnung!

Denn der Kollege und Weinkenner Adrian van Velsen von vvwine.ch hat den Selbstversuch im Langzeittest gemacht. Er wollte wissen, ob die Lagerung bei unterschiedlichen klimatischen Bedingungen wirklich die Qualität beeinflusst. So lagerte er 10 Jahre lang 4 Flaschen desselben Weines an unterschiedlichen Orten:

  1. Unter idealen Bedingungen im Klimaschrank
  2. In der Garage mit Auto- und Benzingeruch, Luft zu trocken, Temperatur gut
  3. Im Keller des Ferienhauses, Temperatur zu warm und schwankend, Luft optimal
  4. Der Worst Case: Im Wohnzimmerschrank

Das Fazit: Alle Weine waren nach den 10 Jahre noch absolut genießbar. Der Weinkenner hat zwar Unterschiede festgestellt, aber diese waren nur marginal. Die detaillierten Ergebnisse sind sehr spannend und ich empfehle den gesamten Artikel zu lesen.

Das Beispiel zeigt, dass viel Wege der Weinlagerung letztendlich erfolgreich sein können.

Was gibt es bei einem Weinkeller noch zu beachten?

Neben den klimatischen Bedingungen spielen noch viele andere Punkte bei der Lagerung von Wein eine Rolle. Besonders, wenn man ihn 5+ Jahre in einem Weinkeller entwickeln möchte.

So bringt mir das beste Klima und die perfekte Mischung aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit nichts, wenn ich grundsätzlich die falschen Weine in meiner Sammlung habe.

Deswegen hängt bei der Lagerung vieles von der Rebsorte, der Qualitätsstufe und der richtigen Struktur des Weines ab. Manche Weine eignen sich eben besser zur langen Flaschenreife als andere.

Wie du die richtige Rebsorte für deinen Weinkeller findest, erkläre ich in meinem ausführlichen Leitfaden (mit Kaufempfehlungen) über die besten Weinkeller-Rebsorten.

Fazit: Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Weinkeller

Das Zusammenspiel von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lichteinwirkungen sind für eine lange Weinlagerung von großer Bedeutung. Entspricht eine dieser Eigenschaften nicht der Norm, kann die Haltbarkeit und Qualität der Weine im eigenen Weinkeller darunter leiden.

In meinem umfassenden Guide zum Bau eines eigenen Weinkellers gehe ich auf alle weiteren Aspekte der Weinlagerung ein.

Berichte gerne in den Kommentaren, wie und wo du deinen Wein lagerst. Sind deine Bedingungen ideal oder musst du in die Trickkiste greifen?

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