Weinkeller bauen: Ein umfassender Leitfaden für Einsteiger

Zu Hause einen eigenen Weinkeller bauen und jederzeit einen perfekt gereiften, gut temperierten Wein griffbereit haben. Ein Traum vieler Weinliebhaber. Doch warum bleibt es für viele ein Traum?

Das Anlegen und Verwalten eines Weinkellers ist ohne Vorkenntnisse gut machbar. Auch mit kleinem Budget. Zumindest, wenn man einige wenige Dinge beachtet. Welche das sind, erkläre ich ausführlich in diesem Leitfaden für Einsteiger.

Legen wir los, das sind die Inhalte:

Weinkeller bauen: das Wichtigste im Überblick

Bevor wir starten, sollten wir einige grundlegende Sachen klären. Wenn du schon Vorkenntnisse hast, kannst du diesen Abschnitt gerne überspringen. Alle Anderen sollten sich mit den folgenden Fragen beschäftigen:

Was ist ein Weinkeller?

Ein Weinkeller dient als Lagerraum für Wein in Glasflaschen oder Fässern. […] Im weiteren Sinne ist ein Lagerkeller für Wein, Sekt und andere wertvolle alkoholische Getränke gemeint.

Beschreibung eines Weinkellers. Quelle: Wikipedia

Kurzum also ein abgetrennter Lagerraum, indem Wein, Sekt (Schaumwein) und andere Spirituosen aufbewahrt werden. Im besten Fall weist der Raum ebenfalls die nötigen Voraussetzungen für die Lagerung von Wein auf. Welche das sind, beschreibe ich im nächsten Kapitel.

Tatsächlich muss es nicht immer ein ganzer Raum sein. Eine kleine Ecke, ein stabiles Regal oder ein paar Weinkisten auf dem Boden. Theoretisch reicht das schon. Besonders am Anfang.

Die meisten Leute denken beim Wort Weinkeller viel zu groß und schließen ein solches Vorhaben von vornherein aus. Das ist zwar schade, aber genau deswegen schreibe ich diesen Leitfaden 😉

Warum einen Weinkeller zu Hause bauen?

Aber warum der ganze Aufwand? Warum solltest du dir als Privatperson die Mühe machen, zu Hause einen abgetrennten Raum einrichten und ihn entsprechend mit Weinflaschen und Zusatzausrüstung ausstatten?

Weil du Wein liebst.

So einfach ist es. Wenn du Wein nicht lieben (oder zumindest sehr sehr gerne haben) würdest, wärst du nicht auf dieser Seite gelandet. Du würdest nicht den ultimativen Leitfaden für den Bau eines Weinkellers lesen. Und du würdest dich gar nicht erst fragen, WARUM ein Weinkeller sinnvoll ist.

Aber mal ehrlich. Das Lagern, verwalten, studieren und probieren von Wein ist einfach ein tolles Hobby. Dabei ist es egal, ob du einen richtigen Kellerraum zur Verfügung stellst oder nur ein Regal neben den Konservendosen einrichtest.

Stell dir vor, du lädst Freunde zu dir ein. Statt wie üblich deinen Gästen ein Glas Wein anzubieten, fragst du, ob ihr nicht alle gemeinsam eine Flasche aus deiner Weinsammlung aussuchen wollt.

Es geht darum ein tolles Erlebnis zu bieten und davon zu erzählen, wie und warum die einzelnen Flaschen in deine Sammlung gekommen sind. Seit wann sie schon dort liegen und welche Rebsorten dein Weinkeller umfasst.

Vielleicht steht auch zufällig eine Flasche mit leckerem Weinbrand, Portwein oder Likör neben dem Weinregal. Den wollen deine Freunde bestimmt auch probieren und sich ein, zwei Gläschen schmecken lassen …

Und am Ende wird deinen Gästen egal sein, ob die Sammlung letztendlich 20, 50 oder 500 Flaschen umfasst. Alle werden Spaß haben und sich an einen tollen Abend erinnern. Und darauf kommt es an.

Das ist die Antwort. Genau deswegen sollte sich jeder Weinliebhaber einen (kleinen) Weinkeller einrichten.

Wann sich ein Weinkeller lohnt (und wann nicht)

Wenn du nach dem vorherigen Absatz immer noch skeptisch bist, ob sich der Bau und die Einrichtung eines Weinkellers für dich lohnt, kannst du die folgenden Aussagen für dich bewerten.

Einen Weinkeller selber zu bauen ist sinnvoll, wenn …

  • … du in deiner Wohnung oder deinem Haus einen kühlen, feuchten Raum mit etwas Platz hast.
  • … bei dir zu Hause regelmäßig mehr als 10 ungeöffnete Weinflaschen zu finden sind.
  • … es dir Spaß macht verschiedene Weine zu probieren und an Weinproben teilzunehmen.
  • … du deinen Wein nicht nur im Supermarkt, sondern auch im Weinfachgeschäft oder beim Winzer kaufst.
  • … du aufgrund deines Jobs, deiner Familie oder deiner Bekannten oft Wein geschenkt bekommst.
  • … du in der Nähe einer Weinbauregion wohnst (oder dort Beziehungen hast).
  • … du in der Gastronomie tätig bist und deinen kulinarischen Horizont erweitern möchtest.

Natürlich musst du dich nicht in allen Punkten widerspiegeln. Aber wenn deine persönliche Situation mit einem oder mehreren der Punkte übereinstimmt, wird dir das Einrichten eines Weinkellers wahrscheinlich viel Spaß bereiten.

Der richtige Standort für den Bau eines Weinkellers

Die Grundvoraussetzung für den Bau eines Weinkellers ist ein geeigneter Standort. Im Allgemeinen kommen die folgenden drei Möglichkeiten infrage.

Die Lagerung im Keller der eigenen Wohnung / des Hauses

Ein Kellerraum in den eigenen vier Wänden ist mit Abstand der häufigste Standort für einen Weinkeller.

Zum einen sind hier die natürlichen Bedingungen oft besser als in den normalen Wohnräumen. Viel Tageslicht und eine gemütliche Wärme sind für uns Menschen zwar erstrebenswert, gefällt unseren Weinen aber gar nicht. Die mögen es lieber feucht, kalt und dunkel. Mehr dazu weiter unten.

Zum anderen kann eine Weinsammlung je nach Umfang eine stattliche Fläche in Anspruch nehmen. Und den nötigen Platz dafür findest du (spätestens nach dem Ausmisten) meistens im Keller.

Wenn du also über Zugang zu einem Kellerraum mit ein bisschen Platz verfügst, ist das in 99 % der Fälle dein Standort der Wahl. Die beiden nächsten Möglichkeiten funktionieren zwar auch, aber mit ungleich mehr Aufwand und/oder Nachteilen.

Weinkeller im Freien oder im eigenen Garten bauen

Wesentlich aufwändiger ist der Bau eines Weinkellers im eigenen Garten oder einer Kleingartenanlage. Es gibt zwei gängige Muster: Ein oberirdisches Gebäude mit entsprechender Isolierung gegen Wärme und Kälte, oder ein Erdkeller der mehrere Meter tief in den Gartenboden eingearbeitet wird.

Du kannst dir vorstellen, dass beide Methoden nur mit viel Zeit, Budget und Fachwissen umzusetzen sind. In meinem Artikel über den Bau eines Weinkellers im Garten gehe ich auf beide Möglichkeiten genauer ein. Aber im Grunde lohnt sich ein solches Unterfangen nur, wenn du ein wirklicher Weinliebhaber bist und es dir um mehr als die bloße Lagerung von Weinflaschen geht.

Das Erd- und Weinkeller Projekt vom Youtuber Mika

Theoretisch ist es auch möglich, Weinfässer und Flaschen tief im Boden zu vergraben und nach mehreren Jahren wieder hervorzuholen. Ab ca. 1,5 Metern ist die Temperatur und Feuchte im Boden das ganze Jahr über relativ konstant, sodass der Wein gut altern kann. Diese Methode habe ich selber noch nicht ausprobiert (auch weil ich keinen eigenen Garten habe), aber das wäre sicher mal ein Experiment wert.

Ist ein Weinkühlschrank eine gute Alternative?

Und wenn dir weder Kellerraum noch Garten (+ Fachwissen und Budget) zur Verfügung stehen? Dann bleibt dir nur die Lagerung in einem Weinkühlschrank*. Diesen kannst du theoretisch in jedem Raum mit Stromanschluss aufstellen. Dabei handelt es sich natürlich nicht um einen richtigen Weinkeller, aber eine bessere Alternative kenne ich nicht.

Dabei sind Weinkühlschränke kein Allheilmittel. Es gibt durchaus einige Punkte zu beachten, wenn man Weinflaschen darin für mehrere Jahre lagern will. Denn faktisch dienen diese Geräte in der Gastronomie der Konservierung und nicht dem Ausbau/der Lagerung von hochwertigen Weinen.

In meinem Artikel über die besten Weinkühlschränke für Privatleute gehe ich detailliert auf das Thema ein.

Hinzu kommt, dass Weinkühlschränke in den meisten Fällen nur Platz für bis zu 24 Flaschen bieten. Eine größere Weinsammlung ist daher nur mit vielen Geräten umsetzbar. Und das geht in die Strom- und Anschaffungskosten.

Fazit zur Standortwahl

Auch wenn es Alternativen gibt, ist für Hobby-Weinliebhaber und Otto Normalverbraucher ein kühler Kellerraum mit ein bisschen Platz, der beste Standort für den eigenen Weinkeller.

Lagerbedingungen: das optimale Klima im Weinkeller

Beim Bau eines Weinkellers spielt das richtige Klima eine zentrale Rolle. Nur aus diesem Grund wird Wein überhaupt in einem Kellerraum gelagert. Denn von Natur aus sind hier gute klimatische Bedingungen vorhanden.

Ich habe einen sehr umfangreichen Leitfaden über die optimalen Bedingungen in einem Weinkeller verfasst. Dort beschreibe ich im Detail, bei welchen Temperaturen sich die verschiedenen Rebsorten am wohlsten fühlen. Auch gebe ich Tipps, wie man die Bedingungen im eigenen Weinkeller verbessern kann. Darum werde ich an dieser Stelle nur die wesentlichen Punkte zusammenfassen.

Temperatur

Sowohl Rot- als auch Weißweine fühlen sich bei Lagertemperaturen von 10-14 °C am wohlsten.

Außerdem sollte die Temperatur möglichst konstant bleiben. Selbst wenn Weinflaschen den Großteil des Jahres unter optimalen Bedingungen lagern, kann eine kurze, aber starke Schwankung (ob nach unten oder oben) die Qualität des Weines beeinflussen.

Faustregel: Wenn die Temperatur im eigenen Keller im Winter nicht unter 5 °C fällt und in den warmen Jahreszeiten 20 °C nicht übersteigt, hat man schon sehr gute Lagerbedingungen.

Luftfeuchtigkeit

Neben der Temperatur spielt auch die Luftfeuchtigkeit des Kellerraumes eine wichtige Rolle. Eine relative Luftfeuchtigkeit von 65 % wird allgemein als optimal angesehen. Wobei Abweichungen zwischen 50 % – 75 % immer noch vollkommen akzeptabel sind.

Wenn du nicht sicher bist, kannst du Temperatur und relative Luftfeuchtigkeit mit einem Hygrometer* messen. Und sollte Verbesserungsbedarf bestehen, kannst du mit einem Luftbefeuchter* oder einem Klimagerät* nachhelfen.

Lichtverhältnisse

Weinflaschen sollten möglichst dunkel gelagert werden. Die UV-Strahlen von natürlichem Licht können den Reifeprozess im Wein stark beschleunigen. Künstliches Licht von LEDs oder Glühbirnen schaden dem Wein hingegen nicht.

Sollte dein Keller also wenig bis gar kein Tageslicht aufweisen, besteht hier kein weiterer Handlungsbedarf.

Aroma und Gerüche

Geruchsstoffe können über den Korken in die Weinflasche gelangen. Darum solltest du vermeiden, deine Sammlung z.B. in der Garage zusammen mit Fahrzeugen, Öl oder Reifen zu lagern. Auch Waschmittel oder andere Chemikalien können ihren Geruch auf den Wein übertragen.

Auf diese Werte solltest du achten (Zusammenfassung)

Beim Bau eines Weinkellers solltest du unbedingt das Klima in deinem Kellerraum beachten. Besonders wichtig sind die folgenden Punkte:

  • Eine konstante Temperatur von 10-14 °C
  • Eine hohe Luftfeuchtigkeit von 50-75 %
  • Möglichst dunkel, wenig Tageslicht
  • Keine externen Aromen und Gerüche

Aufbau und Einrichtung des Weinkellers

In den vorherigen Abschnitten habe ich erklärt, welche Standorte sich für einen Weinkeller eignen und welche klimatischen Bedingungen wichtig sind. Jetzt geht es ans Eingemachte. Was gibt es bei der Inneneinrichtung und Ausgestaltung zu beachten, wenn du einen eigenen Weinkeller bauen möchtest?

Stehend oder liegend? So lagerst du Wein richtig

Eine Sache sollten wir vorher klären: In einem Weinkeller sollten Flaschen mit Naturkorken unbedingt liegend gelagert werden. So wird verhindert, dass der Korken austrocknet und bei der Öffnung zerbröselt.

Wenn du eine Weinflasche mit Naturkorken nur einige Monate aufbewahren möchtest, kannst diese auch stehend gelagert werden. Die Feuchtigkeit aus dem Flascheninneren hält den Korken über diesen Zeitraum ausreichend feucht.

Weine die einen Schraubverschluss, Kunststoffkorken oder Glasverschluss besitzen, können wahlweise stehend oder liegend aufbewahrt werden.

Die Grundregel ist also ganz einfach:

Flasche mit Naturkorken → unbedingt liegend lagern
Alle anderen Verschlüsse → kann stehend oder liegend gelagert werden

Ein stabiler Standort ohne Erschütterungen

Tatsächlich kann die Qualität eines Weines durch anhaltende Erschütterungen abnehmen.

Selbst kleinste Vibrationen führen dazu, dass der feine Bodensatz, der sich bei längerer Aufbewahrung am Boden der Flasche bildet, aufgewirbelt wird. So wird die Reifung des Weins durch eine permanente Depotzerrüttung beeinträchtigt.

Daher ist es ratsam, Weinflaschen nicht in unmittelbarer Nähe von Waschmaschinen oder Trocknern aufzubewahren. Je nach Bauweise, kann auch ein Regalsystem unter einer Treppe kontraproduktiv sein.

Möglichkeiten der Weinlagerung

Kommen wir zur eigentlichen Aufbewahrung der einzelnen Flaschen. Auch hier führen viele Wege nach Rom. Doch grundlegend wird fast immer ein Regalsystem zur Lagerung von Wein verwendet. Je nach Bauweise, verändern sich die Materialien, der Funktionsumfang und die Optik natürlich.

Ein professioneller Weinkeller aus Ziegelstein mit vielen Flaschen und Fässern in einem Weingut
Ein professioneller Weinkeller von einem Weingut. Bildquelle: Sala de los consejeros von undeklinable (CC BY-SA 2.0 Lizenz)

Deswegen ist es schwer eine klare Empfehlung auszusprechen oder eine Anleitung mit auf den Weg zu geben. Die Anforderungen und Umstände sind immer ganz individuell, sodass auch die Lösung in jedem Weinkeller unterschiedlich sein wird. Darum stelle ich hier nur die gängigsten Materialien mit einigen Beispielen vor. Die endgültige Einrichtung sollte dann jeder mit sich selbst ausmachen 😉

Nur so viel sei gesagt: Fange klein an und erweitere später. Erst wenn du sicher bist, dass der Bau eines Weinkellers die richtige Entscheidung war, kannst du ihn Stück für Stück erweitern.

Deine Einrichtung sollte gleichmäßig mit der Anzahl der Weine wachsen. Auch, wenn es verführerisch klingt und auf den Bildern immer toll aussieht. Es wäre doch schade einen riesigen ausgebauten Weinkeller zu haben, indem am Ende Wäsche getrocknet und Konserven gelagert werden.

Ziegel und Naturstein

Viele (semi)-professionelle Weinkeller nutzen eine Form von Natursteinen zur Aufbewahrung. Zum einen sind die Bauteile meistens modular und können nach belieben gestapelt und umgestellt werden. Zum anderen nimmt der Stein die Umgebungstemperatur zuverlässig auf und hält diese über einen längeren Zeitraum. Das sorgt insgesamt für eine konstantere Temperatur im Weinkeller.

Je nach Modell und Komplexität, kann ein Weinregal aus Ziegeln, Ton oder Naturstein* jedoch schnell sehr kostspielig werden. Dafür kann man gut Einzelteile kaufen und nach und nach erweitern.

Holz

Holz ist seit Jahrtausenden ein toller Baustoff. Auch der eigene Weinkeller wirkt durch Holzregale* direkt viel wärmer und gemütlicher. Wer handwerkliches Geschick hat, kann sich aus Holz sehr individuelle Konstruktionen in den Weinkeller bauen.

Leider besteht bei Holz die Gefahr, dass sich Schimmel bildet und die Regale instabil macht. Darum sind Holzregale nur geeignet, wenn der Keller nicht zu feucht ist und keine Überschwemmungen drohen.

Metall

Auch Lösungen aus Metall haben ihre Berichtigung. Sie sind stabil, langlebig und preislich im Mittelfeld. Jedoch sind Weinregale aus Metall* nur selten erweiterbar. Man muss dann direkt ein zweites Regal kaufen, da man das erste nicht modular aufstocken kann. Außerdem ist eine Anpassung auf besondere räumliche Anforderungen (z.B. hohe Decken oder eine schräge Wand), nicht einfach umzusetzen.

Kunststoff

Weinregale aus Kunststoff* sind optisch nicht sonderlich ansprechend. Dafür sind sie leicht, mobil, wasserfest und meistens relativ günstig. Auch wenn sie pflegeleicht sind, kann ich diesen Modellen nicht viel abgewinnen.

Originalverpackung / Weinkiste

Wenn für dich eine schöne Optik oder eine einfache Zugänglichkeit nicht im Vordergrund steht, kannst du deine Weinflaschen auch einfach im Originalkarton oder in Weinkisten* lagern. Das spart Kosten und macht das Einrichten eines Weinkellers sehr leicht. Auch zu Beginn oder nach einem Umzug erstmal eine gute Wahl.

Du solltest nur darauf achten, die Kartons nicht direkt auf den Boden zu stellen. Bei feuchten Kellerräumen, Gewölbekellern und Altbau kann es passieren, dass die Pappe sonst zu schimmeln beginnt.

Ideen für den eigenen Weinkeller. Praktisch, modern oder edel?

Wenn ich ein größeres Projekt angehe, benötige ich vorher immer etwas Inspiration. Beim Bau eines Weinkellers ist das nicht anders. Vor allem, weil man nicht jeden Tag einen Weinkeller einrichtet. Daher schaue ich gerne im Vorfeld, welche Möglichkeiten es gibt und lasse mich inspirieren.

Auf der Online-Plattform Pinterest verwalte ich einen Account mit verschiedenen Ideen-Boards rund um das Thema Weinkeller. Hier einige Boards, die bei der Einrichtung hilfreich sein könnten:

Auch habe ich in meinem Artikel 21 beeindruckende Weinkeller Ideen meine persönlichen Highlights festgehalten.

Zubehör und Ausrüstungen für den Weinkeller

Theoretisch gibt es unzählige Spielereien und Zubehör für den eigenen Weinkeller. Dabei sind nicht alle Tools wirklich nützlich und ihr Geld tatsächlich wert. Hier also eine Zusammenfassung über die Ausrüstung, die wirklich sinnvoll ist. Alle Einzelheiten findest du in meinem Artikel Weinkeller Zubehör: Welche Ausrüstung sich wirklich lohnt.

AusrüstungBeschreibungBewertung
Hygrometer*Misst Temperatur und LuftfeuchtigkeitSehr wichtig. Sollte in keinem Weinkeller fehlen.
Klimagerät*Sorgt für eine gleichmäßige TemperaturNur relevant, wenn Temperaturen stark von den Richtwerten abweichen. Dann aber sehr hilfreich.
Luftbefeuchter*Sorgt für eine gleichmäßige LuftfeuchtigkeitNur relevant, wenn die Luftfeuchtigkeit stark von den Richtwerten abweicht. Dann aber sehr hilfreich.
Hydrokultur Blähton*Ein Eimer mit Wasser und Blähton kann die Luftfeuchtigkeit erhöhenNur relevant, wenn die Luft im Weinkeller zu trocken ist. Hilft bei kleinen Räumen ganz gut, ist aber sehr ungenau. Für den Preis aber einen Versuch wert.
KellerbuchHier werden alle Weine im Weinkeller anhand verschiedener Eigenschaften festgehaltenAbsolut wichtig um den Überblick zu behalten. Es kann auch eine digitale Variante genutzt werden.
Kellnermesser*Zum sicheren öffnen von Wein und SektflaschenNicht unbedingt nötig, da man auch den Korkenzieher aus der Wohnung verwenden kann. Aber meistens praktisch, wenn man Wein direkt im Keller verkosten will.

Dokumentation und Verwaltung des Weinkellers

Ein Punkt der beim Bau eines Weinkellers oftmals vernachlässigt wird, ist eine übersichtliche Dokumentation der gesammelten Flaschen. Dabei ist eine gute Verwaltung unglaublich wichtig.

Wenn du mit dem Aufbau eines Weinkellers anfängst, besitzt du meistens nur einige wenige Flaschen. Da fällt es leicht den Überblick zu halten. Doch nach mehreren Jahren und einer immer größeren Sammlung, wird es dir zunehmen schwerfallen, all deine Schätze korrekt aus dem Gedächtnis einzuordnen.

Darum ist ein System zur Einordnung deiner Flaschen wichtig. Dieses sollte auf deine persönlichen Bedürfnisse ausgerichtet sein. Du kannst zum Beispiel Flaschen nach Herkunftsland, Rebsorte oder Jahrgang sortieren. Je nachdem welche Anforderungen deine Sammlung hat, verändert sich wahrscheinlich die Aufteilung deiner Flaschen. Darum ist es sinnvoll, sich einen geeigneten Plan zurechtzulegen und alle Flaschen immer korrekt einzusortieren.

Kellerbuch und Online-Dienste

Der physische Standort der Flaschen im Weinregal ist eine Sache. Zusätzlich bietet sich noch eine Dokumentation in einem externen Werkzeug an. Wer es klassisch mag, führt ein sogenanntes Kellerbuch. Wer lieber den digitalen Weg bevorzugt, greift auf eine Excel-Tabelle, einen Online-Dienst oder eine Smartphone-App zurück.

Egal welche Methode man bevorzugt, das Prinzip bleibt das gleiche. Für jede Weinflasche wird ein Eintrag mit wichtigen Informationen angelegt. Je nachdem welche Kategorien man für sich nutzt, kann so zum Beispiel die Rebsorte, der Produzent, der Jahrgang, der Kaufpreis, das Herkunftsland, das beste Trinkfenster oder der Standort im Weinkeller festgehalten werden.

In meinem ausführlichen Artikel über die Verwaltung des Weinkellers, stelle ich mehrere Methoden, Apps und Tools zur Dokumentation vor. Kleiner Tipp: Ich biete eine Tabelle zum kostenlosen Download an 😉

Die Auswahl der richtigen Weine

Unsere Weinflaschen sind die wichtigste Komponente in einem Weinkeller. Ohne die Auswahl eines Weines mit guten Voraussetzungen für eine Flaschenreife werden selbst unsere besten Bemühungen keine Früchte tragen.

Nur wenige Weine profitieren von einer langen Lagerung

Heutzutage werden 90-95 % aller Weine nicht für die Flaschenreife entwickelt. Sie werden so hergestellt, dass ihr bevorzugtes Trinkfenster 1-2 Jahre nach dem Verkauf im Einzelhandel erreicht ist.

Einen solchen Wein könnte man 20 Jahre unter besten Bedingungen lagern, die Trinkqualität würde sich nicht verbessern. Im Gegenteil.

Darum eignen sich Weine vom Discounter, dem Supermarkt oder dem Wein-Einzelhandel (z.B. Jacques’ Wein-Depot) normalerweise nicht für eine Lagerung im Weinkeller.

Diese preiswerten Weine stammen aus einem Weinanbau, der auf Ertrag optimiert wurde. Das Ziel hierbei ist, so viele Weintrauben von so wenig Reben wie möglich zu erhalten. So spart man wertvolle Anbaufläche und kann insgesamt preiswerter produzieren.

Faustregel: Eine Flasche mit Lagerpotenzial sollte nicht weniger als 10-15 € kosten.

Aber woran erkenne ich einen hervorragenden Wein für meinen Weinkeller?

Merkmale von Weinen, die im Weinkeller besser werden

Die “Struktur” beschreibt die Geschmackseigenschaften eines Weines. Die folgenden Eigenschaften wirken als natürliche Konservierungsmittel und bestimmen, wie gut sich ein Wein nach der Abfüllung entwickeln wird.

Bei der Auswahl eines Lagerweines solltest du auf die folgenden Werte achten:

  • Säuregehalt: Weine verlieren mit der Zeit an Säure. Daher ist es wichtig, dass der Säuregehalt moderat hoch ist.
  • Tannine: Die Tannine stabilisieren viele Eigenschaften im Wein. Zum Beispiel die Farbe und den Geschmack. So haben Weine mit viel Tannin eine längere Haltbarkeit.
  • Süße: Zucker wird seit langem als Fruchtkonservierungsmittel verwendet. Zum Beispiel bei Marmelade und eingemachten Früchten. Das gleiche Prinzip gilt auch für Dessertweine und Weine mit hoher Süße.
  • Alkoholgehalt: Alkohol unterstützt den Wein beim Zerfall. In höheren Mengen wirkt er aber auch als Stabilisator, z.B. bei Branntweinen und einigen trockenen Weinen mit mehr als 15 % Alkohol. Wir suchen also entweder einen niedrigeren, ausgewogenen Alkoholspiegel oder direkt einen hohen Alkoholgehalt.
  • Niedrige flüchtige Säure: Essigsäure ist schädlich für die Alterung von Wein. Man sollte Weine mit pH-Werten von 0,6 g/L und darüber vermeiden.

Wie lange kann Wein gelagert werden?

Eine schwierige Frage. Denn bei der Lagerung von Wein gibt es unzählige Faktoren, die sich auf die Haltbarkeit auswirken. Von den Bedingungen im Weinkeller, über die Auswahl der Rebsorte, bis hin zum Jahrgang und dem Produzenten.

Eine pauschale Aussage zu treffen, ist daher nicht möglich. Trotzdem anbei meine persönliche Einschätzung im Überblick. In meinem Artikel über die Rebsorten für den Weinkeller gehe ich ausführlich auf die unterschiedlichen Kategorien ein. Dort gebe ich an, wie viele Jahre eine bestimmte Sorte gelagert werden sollte und wie sich der Geschmack entwickeln wird.

WeinsorteHaltbarkeit (Mittelwert)Einschätzung Lagerpotenzial
Trockene Rotweine5-25 JahreTrockene Rotweine eignen sich hervorragend für eine Lagerung über viele Jahre. Der hohe Säure- und Tanningehalt unterstützt den Reifeprozess.
Trockene Weißweine2-10 JahreKürzere Haltbarkeit als Rotweine. Es fehlt meist an Tanninen. Auf Weine mit viel Säure achten, sonst schmeckt der Wein nach einigen Jahren fade/wässrig.
Süße Weine (Dessertweine)15-30 JahreSehr lange Haltbarkeit. Hier dient der hohe Zuckergehalt als natürliches Konservierungsmittel.
Likörweine (z.B. Portwein)50-100 JahreLikörweine halten von allen Weinarten mit Abstand am längsten. Durch die Zugabe von Traubenbrand, wird der Alkoholgehalt erhöht und der Wein haltbar gemacht.

Wein für den Weinkeller kaufen

Ich habe beschrieben, welche Merkmale und Eigenschaften einen Wein mit Lagerpotenzial ausmachen. Außerdem haben wir festgestellt, dass sich Wein aus dem Supermarkt oder Getränkehandel nicht für die Lagerung eignet. Wo also dann entsprechende Weine kaufen?

Am besten direkt beim Winzer und/oder Produzenten kaufen.

Das ist die kurze und beste Antwort. Am besten suchst du einen Winzer heraus, der die Rebsorte deiner Wahl produziert. Und dann rufst du unverbindlich dort an und erklärst dein Anliegen.

Beschreibe deine Weinkeller-Situation und frage nach Weinen, die “Potenzial haben” oder sich für eine “langjährige Flaschenreife” eignen. Ich bin mir sicher, dass man dir eine Auswahl empfehlen kann.

Außerdem gibt es im Internet unzählige Listen, in denen hervorragende Weingüter vorgestellt werden. Auch kann ich den jährlich erscheinenden Weinführer des britischen Weinkritikers Hugh Johnson sehr empfehlen. In Der kleine Johnson* werden die weltweit besten Weingüter vorgestellt und bewertet. Eine bessere Liste gibt es nicht.

Zumindest für Deutsche Weine lohnt sich auch ein Blick auf die Liste der VDP.Winzer. Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) ist ein Zusammenschluss von ca. 200 Winzern, die sich verbindlichen Qualitätsstandards und ökologischer Bewirtschaftung verschrieben haben. Wer hier Mitglied ist, produziert gute Weine auf hohem Niveau.

Alternativ kann man vereinzelt auch in gute Weinfachgeschäfte gehen. Dort jedoch wirklich auf die Qualität des Geschäfts und das Fachwissen der Mitarbeiter achten. Und damit sind nicht die großen Franchise-Ketten wie Jacques’ Wein-Depot gemeint. Diese führen lediglich eine Auswahl von Weinen, die für den sofortigen Verzehr produziert wurden.

Zusätzliche Ressourcen

Ich hoffe, mein Leitfaden hat dir beim Bau deines eigenen Weinkellers geholfen. Wenn du weiterführende Literatur suchst, empfehle ich die folgenden Bücher. Diese gehen nicht ausschließlich auf das Thema Weinkeller ein. Dafür erhältst du umfangreiches Hintergrundwissen über die verschiedenen Rebsorten, Weinregionen und Eigenschaften.

Kurzum: Du lernst die Welt des Weines besser kennen.

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