Welchen Wein zum Lagern kaufen? Rebsorten für den Weinkeller

Wein der über mehrere Jahre im Weinkeller gereift ist, schmeckt besser. Dieser Aussage werden viele Weinkenner und Sommeliers sicher zustimmen. Doch möchte man Wein zum Lagern kaufen und einen eigenen Weinkeller bauen, gibt es einige Punkte, die man vor dem Kauf beachten sollte.

Denn nur 5-10 % aller produzierten Weine eignen sich für eine langjährige Flaschenreife.

In diesem Leitfaden stelle ich die Weinsorten mit dem größten Lagerpotenzial vor. Du wirst lernen, woran man einen Wein für die Lagerung erkennt und welche Merkmale beim Kauf eine Rolle spielen.

Steigen wir also direkt ein, das sind die Inhalte:

Warum sollte man Wein lagern?

Der Grundgedanke ist simpel: Wein enthält viele Inhaltsstoffe, die bei der Flaschenreifung miteinander reagieren. Das sind zum Beispiel Tannine, Gerbstoffe, Sauerstoff, Säure, Alkohol, etc.

Bei diesen chemischen Prozessen verändern sich die Molekülverbindungen im Wein. Dadurch entwickeln sich Geschmack und Aroma weiter. Im besten Fall schmeckt der Wein nach einigen Jahren der Lagerung besser als vorher. Das ist aber nicht immer der Fall:

Nicht alle Weine sind für die Lagerung geeignet

Zum einen sind zwischen 90 und 95 % aller heutigen Weine nicht für die Lagerung konzipiert. Sie werden so hergestellt, dass ihr optimales Trinkfenster 1-2 Jahre nach dem Verkauf im Einzelhandel erreicht ist.

Zum anderen besitzen nicht alle Rebsorten die nötigen Eigenschaften, um von einer langen Flaschenreife zu profitieren. Das hängt auch damit zusammen, dass die heutigen Trauben meist von relativ jungen Reben stammen (oft nur 10-15 Jahre alt). Dabei ist Wein von älteren Reben wesentlich besser zur Lagerung und damit zur Flaschenreifung geeignet.

Wein vom Discounter lagern?

Damit einher geht natürlich auch die Ausgangsqualität des Weines. Eine Flasche Wein vom Discounter kann man auch 20 Jahre unter besten Bedingungen lagern, die Trinkqualität wird sich nicht verbessern. Im Gegenteil.

Preiswerte Weine stammen aus einem Weinanbau, der auf Ertrag optimiert wurde. Das Ziel hierbei ist, so viele Weintrauben von so wenig Reben wie möglich zu erhalten. So spart man wertvolle Anbaufläche und kann insgesamt preiswerter produzieren.

Das sorgt aber auch dafür, dass die Trauben wesentlich weniger Nährstoffe und Mineralien aufnehmen können. Stellt man nun Wein aus diesen Trauben her, fehlen die für einen langen Reifeprozess notwendigen Bestandteile.

Kurzum: Weine vom Discounter oder dem Wein-Einzelhandel (z.B. Jacques’ Wein-Depot) eignen sich im Normalfall nicht für eine Lagerung. Eine Flasche mit Lagerpotenzial kostet in der Regel min. 15 €.

Diese Faktoren beeinflussen das Lagerpotenzial

Grundlegend kann man sagen, dass die folgenden drei Faktoren wesentlich für den Erfolg der Lagerung verantwortlich sind:

  • Die Rebsorte: Nicht alle Weinsorten sind für eine lange Lagerung gemacht. Als Faustregel kann man sagen, je mehr Tannin der Wein enthält, desto lagerfähiger ist er und je süßer der Wein, desto länger kann man ihn aufheben. Auch Säure wirkt sich positiv auf die Haltbarkeit aus, da sie das Wachstum von Bakterien verhindert.
  • Die Flasche: Eine große Flasche verbessert das Lagerpotenzial eines Weines. Kleinere Flaschen mit weniger als 0,75l haben in der Regel nicht so viel Potenzial. Ausnahme: Auslesen und Trockenbeerenauslesen, die vorwiegend in kleinen Flaschen ausgegeben werden. Diese halten oft jahrzehntelang.
  • Die klimatischen Bedingungen: Es spielt eine große Rolle, wo und wie die Weinflaschen gelagert werden. Man sollte auf eine niedrige Temperatur, hohe Luftfeuchtigkeit und wenig Tageslicht achten. In meinem Leitfaden über die optimalen Bedingungen im Weinkeller gehe intensiv auf alle klimatischen Aspekte bei der Lagerung von Wein ein.

Auch wenn all diese Faktoren eine Rolle spielen, hat die Auswahl der richtigen Rebsorte und die Ausgangsqualität des Weines, mit Abstand den größten Einfluss auf eine langjährige Flaschenreife.

Aber woran erkenne ich einen hervorragenden Wein für meinen Weinkeller?

Welchen Wein zum Lagern kaufen? Das gilt es zu beachten

Wenn die meisten Weine nur ein paar Jahre halten, was macht einen Wein würdig für eine Lagerung über 10-20 Jahren? Es gibt einige Hauptmerkmale anhand dessen man erkennen kann, ob ein Wein gut altern wird. Die folgenden Überlegungen sollten beim Kauf beachtet werden.

Auf Weine mit ausgewogener Struktur achten

Um Weine zu finden, die sich im Laufe der Zeit verbessern, sollte man auf die Struktur eines Weins achten. “Struktur” meint in der Weinsprache die Geschmackseigenschaften des Weins, die als natürliche Konservierungsmittel wirken:

  • Säuregehalt: Weine verlieren mit der Zeit an Säure. Daher ist es wichtig, dass der Säuregehalt moderat hoch ist.
  • Tannine: Die Tannine (auch Polyphenole genannt) stabilisieren viele Eigenschaften im Wein. Zum Beispiel die Farbe und den Geschmack. So haben Weine mit viel Tannin eine längere Haltbarkeit.
  • Süße: Zucker wird seit langem als Fruchtkonservierungsmittel verwendet. Zum Beispiel bei Marmelade und eingemachten Früchten. Der Zucker macht die Früchte länger haltbar. Das gleiche Prinzip gilt auch für Dessertweine und Weine mit hoher Süße.
  • Alkoholgehalt: Alkohol unterstützt den Wein beim Zerfall. In höheren Mengen wirkt er aber auch als Stabilisator, z.B. bei Branntweinen und einigen trockenen Weinen mit mehr als 15 % Alkohol. Wir suchen also entweder einen niedrigeren, ausgewogenen Alkoholspiegel oder direkt einen hohen Alkoholgehalt.
  • Niedrige flüchtige Säure: Essigsäure ist schädlich für die Alterung von Wein. Man sollte Weine mit pH-Werten von 0,6 g/L und darüber vermeiden.

Die Balance (Ausgewogenheit) ist wichtig

Nach der Struktur, gilt es noch die Ausgewogenheit oder Balance des Weines zu beachten. Sind alle Eigenschaften des Weins im Gleichgewicht?

Wenn ein Wein Tonnen von Tannin, Säure und mäßigem Alkohol (vielleicht etwa 12 %-13,5 %) enthält, aber keine Frucht, dann ist er nicht wirklich im Gleichgewicht.

Denn wirklich reif oder trinkfertig ist ein Wein erst dann, wenn sich alle Komponenten im Einklang befinden und sich keine einzelne Eigenschaft in den Vordergrund drängt.

Und diese Unausgeglichenheit wird nach Jahren im Weinkeller noch deutlicher hervorstechen.

Der Produzent: Ein erstes Indiz für Qualität

Wer hat den Wein produziert? Vor dem Kauf gilt es die Geschichte des Herstellers zu beachten.

Im Idealfall werden die Trauben direkt auf dem Weingut des Herstellers angebaut. Auch sollte das Weingut in der Vergangenheit mehr als 15 solide Jahrgänge hergestellt haben. Natürlich gibt es auch Weine, die gut altern von Produzenten, die nicht in dieses Profil passen (und umgekehrt).

Ein großes Warnsignal wäre außerdem ein unerfahrener Winzer, der kein wissenschaftliches Verständnis der Önologie (der Lehre vom Weinbau) hat. Seine Weine werden direkt nach dem Kauf durchaus gut schmecken, doch winzige geschmackliche Fehler werden nach Jahren der Lagerung zunehmend hervorstechen.

Auch sollte man Abstand von White-Label-Marken halten. Diese Weine werden normalerweise zum sofortigen Verzehr hergestellt und werden nicht an Geschmack oder Wert gewinnen.

Übersicht der Rebsorten: Diese Weine altern am besten

Man kann nur schwer eine pauschale Aussage darüber treffen, welche Weine man für einen Reifeprozess im Weinkeller kaufen sollte. Denn auch wenn manche Rebsorten tendenziell besser für eine Lagerung geeignet sind, wird es nicht leicht eine Faustformel aufzustellen.

Anbei trotzdem ein Versucht die wichtigsten Rebsorten aufzulisten und die besonderen Aspekte der jeweiligen Rebsorte hervorzuheben:

Trockene Rotweine die am besten altern

Trockene Rotweine sind die am meisten gesammelten aller Weine. Dabei altern einige besser als andere. Dafür gibt es viele Gründe, aber ein Einflussfaktor ist die Rebsorte.

Die natürlichen Eigenschaften von Säure und Tannin ermöglichen dem Wein, sich im Laufe der Zeit zu entwickeln (und sogar zu verbessern). Deshalb schmecken einige Weinsorten besser, wenn sie etwas älter sind und umgekehrt.

Es diesem Grund eignen sich Rotweine mit hohem Säuregehalt und viel Tannin hervorragend für eine mehrjährige Lagerung.

  • Cabernet Sauvignon (~ 10-20 Jahre): Cabernet kann sehr unterschiedlich sein, da es ein breites Spektrum an Qualitätsstufen und Regionen gibt. Man sollte auf Weine mit tiefer Farbe, einen niedrigen pH-Wert (z.B. durch höheren Säuregehalt), ausgewogen viel Alkohol und spürbaren Tanninen achten.
  • Merlot (~ 7-17 Jahre): Im Grunde altert Merlot genauso gut wie Cabernet Sauvignon. Mit zunehmendem Alter werden die Weine weicher und oft rauchiger (was an Tabak erinnert).
  • Monastrell (~ 10-20 Jahre): Monastrell hat ein extrem hohes Tannin- und Farbniveau. Diese Traube benötigt in der Regel mindestens 10 Jahren Reifung, um ihren außergewöhnlichen Geschmack zu entfalten.
  • Nebbiolo (~ 20 Jahre): Aus Nebbiolo entstehen Weine mit unglaublich hohem Tanningehalt, die mit der Zeit weicher werden und zu süßen scheinen. Ausgezeichnet für eine lange Lagerung.
  • Pinot Noir aka. Spätburgunder (~ 10 Jahre): “Späti” ist sicherlich eine der beliebtesten leichten Rotweinsorten. Durch seinen hohen Säuregehalt profitiert Spätburgunder durch eine mehrjährige Lagerung. Die Säure wird über die Jahre abgebaut, der Wein wird ausgewogener (mehr Balance).
  • Primitivo (~ 5 Jahre): Ein kräftiger Wein mit viel Alkohol, der sich für eine mittelfristige Lagerung gut eignet. Hier kann man schon nach 3-5 Jahren im Weinkeller das Ergebnis verköstigen.
  • Sangiovese (~ 7-17 Jahre): Durch ihre kräftige Säure ist Sangiovese eine erstklassige Rebsorte um langfristig zu reifen. Mit der Zeit wird dieser Wein weicher und erzeugt süße, feige Noten.
  • Syrah (~ 5-15 Jahre): Seine ausgewogene Struktur kann Syrah über die Jahre noch verfeinern. Der volle Geschmack erinnert an grünen Pfeffer, schwarze Pflaumen und Schokolade.
  • Tempranillo (~ 10-20 Jahre): Mit Abstand eine der besten Sorten um langfristig zu altern.

Trockene Weißweine, die sich für eine Lagerung eignen

Weißweine haben in der Regel eine kürzere Haltbarkeit im Weinkeller. Sie haben nicht die gleichen Strukturkomponenten (es fehlt besonders an Tannin) wie Rotweine. Sicherlich gibt es einige Ausnahmen (z.B. Orangenweine), aber in den meisten Fällen halten Weißweine auch bei guter Lagerung selten länger als 10 Jahre.

Einige Rebsorten wie Reserva Rioja Blanco und Chardonnay werden aus diesem Grund in Eichenfässern gereift und können so auf die “Eichentannine” im Fass zurückgreifen. So erhalten sie etwas mehr Potenzial im Weinkeller zu reifen. Aber Eichenfässer sind eher eine Ausnahme.

Generell sollte man bei Weißweinen für die Lagerung darauf achten, dass der Säuregehalt des Weines hoch ist. Ansonsten lässt der Geschmack des Weines mit der Zeit nach und wird immer schwächer/wässriger.

  • Arinto (~ 10 Jahre): Dieses Highlight aus Portugal wird in einer Vielzahl von Stilen produziert. Die besten Weine haben schlanke, mineralische und zitrusartige Noten, die sich mit der Zeit in reiche, honigsüße Melonenaromen verwandeln.
  • Chardonnay (~ 8-10 Jahre): Der wohl bekannteste Wein, wenn es um lange Haltbarkeit geht. Chardonnay erhält seine Langlebigkeit durch eine Kombination aus höherem Säuregehalt und einer Reifung im Eichenfass (das sorgt für mehr Tannin). Man sollte auf einen Chardonnay-Wein mit niedrigem pH-Wert achten.
  • Grauer Burgunder / Pinot Gris (~ 5 Jahre): Am Anfang überzeugt ein Zitrus- und Melonenaroma, das mit zunehmendem Alter an gebrochenen Schiefer und rohe Mandeln erinnert.
  • Grüner Veltliner (~ 5-10 Jahre): Österreichs wichtigster Wein wird in einer Vielzahl von Stilen produziert, von denen die beliebtesten schlanke, würzige und pfeffrige Weine mit köstlicher Säure sind. Grüner Veltliner profitiert durch seinen hohen Säuregehalt besonders von einer Lagerung im Weinkeller.
  • Riesling (~ 5-10 Jahre): Deutschlands Liebling von der Mosel überzeugt mit einem hervorragenden, meist leicht süßlichem Geschmack, der mit der Alterung immer besser wird. Riesling erhält über die Jahre eine satte gelbe Farbe und überrascht mit Aromen von Petrol und Schiefer.
  • Rioja (~ 10-15 Jahre): Rioja Weine starten mit Zitrus- und Mineralaromen und werden mit zunehmendem Alter immer reichhaltiger und geschmackvoller. Eine gute Wahl, wenn man den eigenen Weinkeller um einen Weißwein erweitern möchte.
  • Savatiano (~ 7 Jahre): Die meist angebaute Weißwein-Sorte in Griechenland entpuppt sich als eine unglaubliche Traube, die sich mit zunehmendem Alter zu einem exotischen, nussigen Wein entwickelt. Eine durchaus preiswerte Option, wenn man die Weine direkt in Griechenland vor Ort erwerben kann.
  • Sauvignon Blanc (~ 7-10 Jahre): Ein unverwechselbarer Weißwein, der für seine “grünen” Kräuteraromen und seinen hohen Säuregehalt geschätzt wird. Sauvignon Blanc wird in einer Vielzahl von Methoden hergestellt, was zu einer großen geschmacklichen Bandbreite führt.
  • Sémillon (~ 7 Jahre): Auch wenn Sémillon typischerweise nicht viel Säure besitzt, altert diese Sorte durchaus elegant und entwickelt mit der Zeit interessante nussartige Aromen.
  • Silvaner (~ 5 Jahre): Silvaner Weine liefern Aromen von üppigen pfirsichähnlichen Früchten, kontrastiert mit subtilen Kräuteraromen. Fans von Grauburgunder werden sich freuen.
  • Trebbiano (~ 8 Jahre): Eine der Rebsorten mit dem größten Ertrag in Frankreich und Italien. Zu Beginn ein frischer Geschmack nach Zitrus und grünen Früchten, der mit der Zeit süßer wird und an reife Pfirsiche erinnert.

Süße Weine (Dessert Weine) die gut altern

Süß- und Dessertweine haben einige der längsten Haltbarkeit aller Weine. Hier dient der hohe Zuckergehalt als natürliches Konservierungsmittel.

Im Allgemeinen halten rote Dessertweine länger als weiße. Außerdem ist auch hier der Säuregehalt entscheidend für eine lange Lagerung. Wie immer: Je höher die Säure, desto größer das Lagerpotenzial!

Ein grober Überblick über die Haltbarkeit bekannter Süßweine:

  • Riesling (Spätlese, Beerenauslese etc.): ca. 15-25 Jahre
  • Recioto della Valpolicella: ca. 25-50 Jahre
  • Französischer Sauternes: ca. 15-20 Jahre

Likörweine können am längsten lagern

Liköre werden hergestellt, indem man süßen Weinen ein neutrales Destillat (meist Traubenbrand) beimischt. Dadurch wird der Gärprozess unterbrochen und der Wein wird mit Alkohol angereichert.

Aus diesem Grund halten Likörweine von allen Weinarten mit Abstand am längsten. Einige Exemplare werden über Jahrhunderte in den Weinkellern ihrer Produzenten gelagert.

Eine Auswahl der verbreitetsten Likörweine und deren Haltbarkeit:

  • Banyuls: ca. 50-100 Jahre
  • Madeira: ca. 150 Jahre
  • Portwein: ca. 50-100 Jahre
  • Sherry: ca. 75 Jahre
  • Tawny Port: ca. 150 Jahre
  • Vin Santo: ca. 50 Jahre

Fazit: Auswahl und Kauf der richtigen Rebsorte

Die Auswahl der richtigen Rebsorte spielt bei der Lagerung im Weinkeller eine wichtige Rolle. Selbst bei besten Vorraussetzungen für eine lange Lagerung, gibt es von Flasche zu Flasche und von Jahr zu Jahr große Unterschiede. Darum gilt auch beim Aufbau eines Weinkellers: Probieren geht über Studieren!

Tipp: Am besten immer einen ganzen Karton des jeweiligen Weines kaufen. Eine Flasche direkt trinken, den Rest im Weinkeller lagern. Und dann in Abständen von 1 bis 2 Jahren jeweils eine Flasche öffnen und probieren. So bekommt man einen guten Eindruck, wie sich Geschmack und Aroma mit der Zeit verändern.

Welche Weine lagern in deinem Weinkeller? Liegt der Fokus auf einer bestimmten Rebsorte oder pflegst du eine bunte Mischung? Welche ist deine älteste Flasche? Ich freue mich über Feedback und Kommentare!

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